Der Armee unwürdig

Di, 16. Apr. 2019

Ich bitte um Veröffentlichung meines Beitrages. Die Lage, die durch die Bundesparlamentarier, den Chef VBS und den Bundesrat mit der Verordnung über die Pensionierung der besonderen Personalkategorien geschaffen wurde, ist unglaublich. Der Bund geht mit einem verheerenden Beispiel allen staatlichen Institutionen voran. Für Ihren Einsatz danke ich Ihnen bestens. Der SCHWEIZER SOLDAT steht senkrecht da.

Oberst Ulrich Kägi, BO mit Inland- und Auslandeinsätzen, ehem. Kdt UOS, Kdt RS, Kdt OS, C AFO

Die Wahrheit bringt es an den Tag. Was der Bundesrat mit dem Grundsatzentscheid zur Erhöhung des Rentenalters von 58 auf 65 Jahre für Berufsmilitärs, für das Grenzwachtkorps und andere zivile EDA-Beamte festgelegt hat, widerspricht jeglicher Vernunft in der Personalführung. Es ist genau das Gegenteil, wie es in der Privatwirtschaft gehandhabt wird.
• Sind über 60-jährige Berufsmilitärs an der Front als Vorbild für die Rekruten und jungen Kader erwünscht? Sind sie vernünftig einsetzbar?
• Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausbilder genauso wie der Auszubildende zufrieden und erfolgreich sind.
• Die angeführten Sozial-Abfederungen sind ungenügend und unseres Staates unwürdig (bei jeder Witterung, Tag und Nacht, im Gelände zeitlich unbegrenzter Dienst)

Sozial gut versorgt
Schon bei der Regelung 58/60 verschenkte der Staat keinen Franken. Die festgelegten Abgeltungen im Vergleich zu privaten Unternehmen waren krass unterdurchschnittlich. Jahrzehnte lange vertraglich gültige Vereinbarungen wurden ersetzt, sozusagen nach dem Motto: Friss oder stirb, denn wer einmal weg ist vom ehemaligen Arbeitsfeld, hat kaum Wiedereinstiegschancen.

Wer sich einmal für das Berufsmilitär entschieden hat, wusste, wie es um seine künftige Lohnentwicklung steht. Ebenso waren die Sozialleistungen und Inkonvenienzentschädigungen und die Ferien klar geregelt. Das privat nutzbare Fahrzeug (nicht gratis) war die Voraussetzung für den unregelmässigen Diensteinsatz und mit stets wechselnden Standorten im Gelände.
Nie wurde über Löhne oder Entschädigungen diskutiert. Sozial war die Familie gut versorgt. Schon die Einführung eines Bonussystems gab Anlass zu Diskussionen. Wie mir scheint, setzten sich hohe Militärs und die Politiker zu wenig hart ein oder gingen von theoretischen Modellen aus.

Ruhe im Stall
Gleichzeitig wurden die Neueintretenden mit einem andern System und sehr attraktiven Bedingungen belohnt. Was eine echt prüfenswerte, gute Lösung darstellt. Die Notwendigkeit von offensichtlich attraktiven Vergütungen hat ja zum Zweck, dem Kadermangel entgegenzuwirken. Ob Berufskader oder Milizkader: Sie sollten mit gleichen Ellen gemessen werden oder zumindest keine Verschlechterungen auf der einen oder andern Seite erleiden.
Wer Personal führt, weiss genau: es herrscht Ruhe im Stall, wenn die Voraussetzungen für alle klar definiert sind. Niemand kann genau sagen welche negativen Auswirkungen bei möglichen Interessenten durch den BR-Entscheid am grünen Tisch entstehen. Der so gefasste Beschluss zeigt: Der Einsatz im Felde wird vor lauter Akademisierung falsch eingeschätzt.
Kontinuität und Verlässlichkeit sind die Eckpfeiler. Wollen wir Zustände wie in angrenzenden Ländern und Armeen?
• Arbeitsbeginn 7 Uhr, Arbeitsschluss 17 Uhr, Nachtübungen müssen kreditiert werden.
• Treibstoffkontingente bestimmen die Übungen usw.
• Noch haben wir Zeit, um Gegensteuer zu geben. Wie lange noch?

Ein ganz klein wenig stolz
Wir können ein ganz klein wenig stolz sein über die erfolgreichen Einsätze und die vielen Übungen, die von Miliz-und Berufskadern geleistet wurden und werden. Geben wir dem Berufsmilitär und den Angestellten der Bundesbetriebe die notwendige Wertschätzung für ihre Berufstreue!
Wir messen uns gut mit andern Armeen, wie lange noch? Die Milizkader verdienen Partner auf Augenhöhe.

 

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