Feuer gewinnt Schlachten

Di, 16. Apr. 2019

Kalt wie Panzerstahl blies der Wind durch die Berner Zeughausgasse, wo die Farbe gelb schon von weitem dominierte. Der Vorstand der OG Panzer stand vor dem Berner Traditionshaus «Zum äusseren Stand» Spalier und begrüsste die Mitglieder und Gäste am 7. März 2019 zur Generalversammlung.

Aus Bern berichtet unser Panzer-Korrespondent Hptm Marc Lenzin, ex Pz Bat 3

Im gediegenen Empire Saal nahmen auch beeindruckend viele junge Offiziere Platz – plus ranghohe Gäste wie der Kdt Heer, Div Wellinger, die Chefs der Mech Br Tüscher, Kohli und Roos, der Kdt LVb Pz/Art Metzler und der Präsident der SOG, Oberst i Gst Holenstein.

VBS: Einmalige Chance
Der Präsident, Oberstlt i Gst Moreau, eröffnete den Anlass und gab das Wort weiter an den SOG-Präsidenten. Dieser erläuterte seine vier wichtigsten Dossiers:
• Bundesrätin Amherd bringe frischen Wind ins VBS. Das biete für das Renommée der Armee eine einmalige Chance.
• Der neue Kampfjet gelte als ambitiöses Projekt. Die Beschaffung sei unabdingbar für die Interoperabilität der Armee als Gesamtsystem. Noch gebe es keine Mehrheit. und man ist gespannt auf den Nicollier-Bericht.
• Der Zivildienst muss weniger attraktiv werden, um das Rekrutierungsproblem zu entschärfen und die Alimentierung der Armee sicherzustellen.
• Zur EU-Waffenrichtlinie ist die Haltung der SOG klar: Keine unnötigen Einschränkungen des Schiesswesens und daher ein Nein an der Urne.

Über 600 Mitglieder
In gewohnt rascher Kadenz präsentierten der Präsident und sein Vize Major Schoch die Traktanden der GV. Die Lagebeurteilung zeigt viel erfreuliches: Das Corporate Design aller Kommunikationsmittel wie Homepage, soziale Medien, Newsletter und Print ist realisiert, die Finanzen sind stabilisiert und die Mitgliederverwaltung mit neuer Software ist modernisiert. 78 Neuzugänge darf die stolze OG begrüssen; ihr Mitgliederbestand wächst auf über 600.

Oberstlt Vania Keller und Hptm Tobias Ruegg treten aus dem Vorstand zurück. Ihr Einsatz wird herzlich verdankt.

Erfolgreicher Think Tank
Der Think Tank, die Denkfabrik der OG, erfreut sich grosser Beliebtheit. Hochwertige Beiträge berichten über Doktrin, Technik, Ausbildung und Geschichte der Panzer – gebündeltes Wissen, das der OG Panzer Respekt, Einfluss und Präsenz einbringt. Die Artikelsammlung ist auf der Homepage der Gesellschaft abrufbar.

Der Ausblick auf Vereinsanlässe lässt aufhorchen: Kadertische sind vorgesehen. Die Tagung im Herbst zur Zukunft der Panzer und die 200-Jahre-Feier Waffenplatz Thun bilden weitere Höhepunkte.

Metzler: Zielsetzungen
Es folgt das Referat von Brigadier Metzler: «Die WEA ist ein Erstschusstreffer, aber noch sind wir nicht am Ziel und einige Herausforderungen liegen vor uns». Bevor Metzler den Lehrverband Panzer und Artillerie vorstellt, bittet Divisionär Wellinger, den Stecker des Beamers zu ziehen, wenn er zeitlich überziehen sollte.

Metzler erläutert die Zielsetzungen seines Lehrverbandes: Soldaten und angehende Kader sind gründlich auszubilden, in der Verbandsausbildung zu schulen und anspruchsvolle Szenarien zu trainieren.

Dabei stehen hybride Bedrohungen im Zentrum. Der Führungsrythmus soll trainiert, die Entschlussfassung besonders vertieft und die Kernkompetenz Kampf in möglichst realistischen Szenarien geschult werden. Die ausgebildeten Soldaten und Kader alimentieren nach bestandener Ausbildung das Heer, die Mechanisierten Brigaden und die Stabsbataillone der Territorialdivisionen.

Rüstungsprojekte
Tätigkeiten des Lehrverbandes umfassen die Verantwortung für Rüstungsprojekte und das Aktualisieren der Reglemente auf veränderte Bedrohungsszenarien. Metzler appellierte wie seine Vorredner an die unabdingbare Beschaffung neuer Kampfflugzeuge: «Sonst fahren wir mit unseren Panzern zwar stolz, aber nicht sehr weit!»

Metzler schloss sein Referat unter starkem Applaus mit dem Grundsatz der Panzerwaffe: «Schlachten werden mit Feuer und Reserve entschieden!»

Gut aufgestellt
Die dynamische OG Panzer präsentierte sich gut aufgestellt, mit motiviertem Präsidenten und Vorstand und geeinten Panzeroffizieren; bereit für die Herausforderungen der mechanisierten Verbände. Ein Apéro riche schloss die GV. Draussen heulte der kalte Wind noch immer durch die Gassen der Bundeshauptstadt.


Das Bestandesproblem

Die Schlussworte des Präsidenten unterstreichen scharf die Herausforderung einer nachhaltig erfolgreichen Panzerwaffe: Das Rekrutierungsproblem muss angepackt werden!

Denn was nützt der Panzer, wenn keine Besatzung da ist, was nützt der Funk, wenn keiner da ist, der ihn bedient, was nützt die Munition, wenn niemand da ist, der nachlädt. Ein Aufruf an alle, sich vermehrt um den Nachwuchs zu kümmern und die Werbetrommel für die gelbe Waffe zu rühren.


Gute Nachricht: Nicollier-Bericht lautet positiv

Wie in Bern Oberst i Gst Holenstein, Präsident der SOG, ausführte, wartet man gespannt auf die Zweitmeinung von Major Claude Nicollier zum Expertenbericht «Air 2030».

Dazu kann im Sinn einer Ergänzung von der Redaktion eine erfreuliche Vormeldung gegeben werden. Nicollier unterbreitete noch im März einen ersten Vorbericht, von dem jetzt schon gesagt werden kann, dass die Zweitmeinung die Grundzüge des Expertenberichts bestätigt.

Demnach besteht eine unbestrittene Notwendigkeit, dass die Schweizer Luftverteidigung zu erneuern ist, was sowohl das neue Kampfflugzeug NKF wie auch die bodengestützte Luftverteidigung BODLUV betrifft. red.

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